In einer Woche um Island herum

Ein langer Reisewunsch meiner Mutter, der leider bisher unerfüllt blieb, war Island. Über unser beider Geburtstage im Juli haben wir diesen Wunsch in Angriff genommen. Von Stuttgart aus ging es mit WOW Airline nach Reykjavik. Das Abenteuer Island konnte beginnen. Vorab haben wir einen Mietwagen reserviert. Plan war darin in der Woche zu schlafen. Mit Auto und 20 kg Gepäck, das unser "Bett", "Küche" und "Badezimmer" beinhaltete, ging es los auf die Ringstraße. Diese führt mit 1.400km einmal um die Insel herum.

Da wir nach Mitternacht erst gelandet sind, sind wir einfach aus dem Flughafen rausgefahren, an den Straßenrand und haben uns in unser "Bett" = Kofferraum gelegt. In Island wird es im Sommer nicht dunkel, etwas schwierig zum Einschlafen, aber wir waren mit Schlafmasken bestens ausgestattet. Auf dem kurzen Stück haben wir sofort gemerkt, dass wir mit Sicherheit nicht mehr im Schwarzwald sind - nirgends auch nur ein einziger Baum!

Am nächsten Tag haben wir dann einen Supermarkt ausfindig gemacht, um uns mit Lebensmitteln und vor allem Spiritus für unseren Kocher auszustatten. Letzteres war zunächst etwas schwierig, da in den Lebensmittelläden nichts mit Alkohol verkauft wird. Wir haben dann aber an der Tankstelle doch noch Spiritus bekommen.

Von Reykjavik aus ging es zu dem "Golden Circle". Das sind nahe der Hauptstadt verschiedene Sehenswürdigkeiten, die man nacheinander im Kreis abfahren kann.

 

1. Ziel vom Golden Circle war der Nationalpark "Þingvellir". Dort driften die europäische und amerikanischen Kontinentalplatten auseinander. Diese Grabenbruchzone ist gekennzeichnet durch viele Spalten und Risse und hat vier aktive Vulkansysteme. es gibt die Möglichkeit sich den Grabenbruch als Taucher aus der Nähe anzusehen.

2. Stopp am Golden Circle war das Geothermalgebiet "Haukadalur" mit seinen Geysiren, die alle paar Minuten heißes Wasser in die Höhe pusten.

3. Sehenswürdigkeit am Golden Circle: der Wasserfall "Gullfoss", was so viel heißt wie goldener Wasserfall. Bei schönem Wetter entsteht wohl ein Regenbogen, da wir aber kein schönes Wetter hatten, blieb uns dieser Anblick vorenthalten. Trotzdem Wahnsinn so nah an den Wassermassen zu stehen, es ist laut und nass.



Schlafplatz mit Blick aufs Meer bei Selfoss.

Unterwegs kurzer Halt am Wasserfall "Seljalandfoss". Die Besonderheit ist dort, dass man hinter dem Wasserfall vorbei laufen kann. So nah kommt man sonst nirgends ran.

 

Vorbei an Isländern und Schafen, die die Landschaft prägen (keine Kühe, keine Bäume), geht es weiter.... zum nächsten Wasserfall :-) Ja davon gibt es tatsächlich eine Menge auf Island. Der nächste heißt "Skogafoss". Dort machten wir eine kleine Wanderung.

Nächstes Ziel sind die schwarzen Strände "Reynisfjara" mit seinen beeindruckenden Basaltsäulen in der typischen sechseckigen Form. Die zwei Felsen im Wasser sind übrigens Trolle, die durch die aufgehende Sonne erstarrt sind. Ja, ja, die Isländer mit ihren Troll-Geschichten.




Kurzer Halt am "Hvannadalshnúkur" - mit 2100m höchster Gipfel Islands, der zum Gletscher Öræfajökull gehört.

Zwischendrin mal wieder eine Wanderung zu einem Wasserfall. "Svartifoss" liegt im Skaftafell-Nationalpark. Für die Wanderung brauchten wir aber erstmal eine kleine Stärkung. Am Visitor Center bauten wir unsere "Küche" auf. Von dort gehen auch die Gletschertouren los - zu Fuß oder mit dem Eismobil. Wir hatten leider nicht genügend Zeit dafür.

Weiter Richtung Süd-Osten zu den berühmten See mit seinen Eisbergen "Jökulsárlón". Diese lösen sich von der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull ab und sind bis zu 15 Metern hoch. Überraschend ist die Farbe der Eisberge - tief blau. Dies kommt daher, dass nur ganz wenig Luftbläschen im Eis eingeschlossen sind. Manchmal sind Die Eisberge auch schwarz durch Vulkanasche. Berühmt wurde der See als Kulisse für diverse Filmproduktionen, z.B. James Bond - stirb an einem anderen Tag. Damit der See eingefriert, wurde der Zugang zum Meer verschlossen, der Salzwasser in die Lagune spült und ein einfrieren unmöglich macht.

Der Name Iceland macht nachdem Erlebnis absolut Sinn :)

Wir haben die Möglichkeit genutzt und dort unser Auto zum Übernachten abgestellt. Eine geniale Aussicht, wenn man aufwacht und auf ein Meer von Eisbergen blickt.


Es ging weiter die Ostküste hoch. Es hat den ganzen Tag geregnet und wir sind durch Mondlandschaft gefahren. Stein auf Stein und dazu grauer Himmel. Auch diese Landschaft gehört zu Island. Die Insel lebt durch die Kontraste zwischen grünen Wiesen, Wasserfällen, Vulkanlandschaft, Eis und auch eben Steinwüste.


Wir waren froh als sich durch eine Häuseransammlung doch so etwas wie ein Dorf auftat.

In Djupivogur gab es ein Museum mit Café "Langabúð". Normalerweise haben wir immer auf dem Campingkocher gekocht, doch dort gönnten wir uns eine Fischsuppe. Dazu gab es Brot. Ich fragte zweimal nach ob das wirklich das Brot sei oder doch Rührkuchen. Nein es war süßes Roggenbrot, typisch für Island. Also gut.

Einmal um den See "Lagarfljót" herum. Man mag es nicht glauben, an dem See liegt Islands größter Wald. Es gibt sie also - Bäume :) Das zweite, das den See berühmt macht, ist der Seewurm der darin anscheinend haust. So eine Arte Nessie. Wir haben ihn leider nicht zu Gesicht bekommen.

Und wie könnte es anders sein - noch ein Wasserfall, der von uns bestiegen wurde.

 

 

Das schöne ist, trotz dass man viel Zeit im Auto verbringt, einem es nicht so vor kommt, da man immer wieder anhält, um die Landschaft zu bestaunen. Wie hier als sich der Nebel wie eine Decke über die Felsen legte.

 

Mittlerweile sind wir an der Nord-Ost Küste beim Wasserfall "Dettifoss". Wir haben ungefähr die Hälfte der Ringstraße hinter uns nach Tag 3, also voll im Plan.

Mit 31 aktiven Vulkansystemen ist Island eindeutig DIE Vulkaninsel. Zeit einen der Vulkane näher zu betrachten. Der "Leirhnjúkur" gehört zu dem Vulkansystem der Krafla. Das letzte Mal ist er 1975 ausgebrochen. Ein Wanderweg führt durch die Lavalandschaft. Es riecht nach Schwefel, Wasserdampf steigt auf und überall erstarrte Lava. Schaurige Kulisse.

Oberhalb liegt der Vulkansee Víti. Dieser ist durch Kieselsäurealgen bläulich-türkis.

Weiter geht es zu dem Vulkan "Námafjall", der auch zum Vulkansystem der Krafla gehört. Hier sind insbesondere die Schwefelfelder interessant. Die Farben und natürlich der Geruch lässt die Landschaft wie eine große Hexenküche wirken.

Vorbei am "Nature Bath", was so das Pendant zur Blue Lagoon an der Westküste darstellt, haben wir eine kleine Wanderung zu einer Grotte gemacht. Vom See Mývatn aus ging es über einen kleinen Pfad zu der "Grjotagjá" was so viel heißt wie "Felsspalte". Vor Ort weiß man gleich woher der Name stammt. Die Risse von den Verschiebungen der Kontinentalplatten sind deutlich bis an die Oberfläche zu sehen. In der Höhle kann gebadet werden, leider war die Wassertemperatur an dem Tag als wir da waren zu hoch (ungefähr 50°C).

 

Nicht weit entfernt liegt das Naturschutzgebiet "Dimmuborgum". Viele ausgeschilderte Wanderwege mit unterschiedlichen Längen und Schwierigkeitsgrad führen einem durch das Gebiet mit viel Natur und Blumen zu bestaunen.

 

Unterwegs ein paar Pferde von der Straße vertrieben. Doch die haben sich von uns gar nicht stören lassen.

 

Wir waren auf dem Weg zum Reiterhof "Lýtingsstadir", denn am nächsten Tag war mein Geburtstag und den verbrachten wir auf dem Rücken der Pferde, wo ja bekanntlich das Glück dieser Erde liegt. Wir haben einen 6h Ausritt vorab gebucht.



Mein Geburtstagsmorgen: draußen regnete es, aber es sollte ein unvergesslicher Tag werden - begonnen bei meinen Geschenketisch im Kofferraum :-)


Auf die Pferde fertig los!


Über Stock und Stein, Bergauf - Bergab und das in einer unfassbaren Geschwindigkeit trugen uns die Isi's durch die Landschaft. Wir durchquerten Koppeln mit Jungpferden, die ganz neugierig uns verfolgten.

Zwischendurch gab es ein kleines Päuschen, bevor es langsam wieder zurück Richtung Stall ging. Insgesamt 5h auf dem Pferd an der frischen Luft machte ganz schön müde. Wobei wir das Gefühl hatten, die Vierbeiner hätten noch länger gekonnt. Isländer sind kleine Arbeitsmaschinen, die gefühlt niemals Kräfte verlieren. Das kommt wohl daher, dass sie den kompletten Winter draußen im Freien leben und dadurch richtig abgehärtet sind.

 

 

 

Happy Birthday to meeeee :-)

 

Der Reiterhof geführt von der Deutschen Evelin und ihrem Mann kann ich nur empfehlen. Es gibt Reittouren für Anfänger und Fortgeschrittene. (www.lythorse.com/)

Schafe zählen zum Einschlafen. Die Woche ist fast zu Ende. Noch zweimal schlafen, dann sind wir in Reykjavik und nachmittags geht der Rückflug schon.

Da wir noch gut im Zeitplan lagen, entschlossen wir uns um die Halbinsel "Vatnsnes" herumzufahren, die insbesondere unter Vogelliebhabern bekannt ist. Weg von der Ringstraße ist allerdings nur Schotterweg und man kommt nur sehr langsam voran. Dafür hat man mehr Zeit in Ruhe die Landschaft zu betrachten und die Elfenhäuser, die die Isländer aufstellen :)

Auf den letzten Metern vor dem Erreichen der Hauptstadt kommt ein mautpflichtiger Tunnel. Wir haben uns dazu entschieden, den längeren Weg, um den Fjord herum zunehmen und wurden mit einer grandiosen Aussicht belohnt.



Der Gin ist leer, wir müssen leider heim :)

Eine Woche ging rasend schnell rum. Kurz noch Reykjavik angeschaut, Mietwagen abgegeben und dann ab in den Flieger.


Island ist auf jeden Fall eine Reise wert, ein sehr sicheres Land, angenehme Touristen, alles ist gut beschildert und die Natur und die Landschaft einzigartig. Das Wetter ist sehr wechselhaft und eher nass und kalt. Wir hatten uns darauf eingestellt und es deshalb als nicht weiter schlimm angesehen, aber das sollte einem natürlich bewusst sein.


Kommentare: 1
  • #1

    Sabine Przewolka (Sonntag, 09 August 2015 23:13)

    Mega-Landschaft wo die Trolle und Odin wohnen... Schön erzählt! Danke fürs Mitreisen!

Über mich
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Ich heiße Laura und bin 27 Jahre alt. Reisen gehört zu meiner großen Leidenschaft. Momentan mache ich einen Master in Marketing in München. Doch im kommenden Jahr werde ich wieder viele neue Ort kennenlernen, von denen ich Euch hier berichten möchte.