Kolping-Gruppe

Das sind also die fünf Mädels mit denen ich die kommenden vier Wochen verbringen werde: (v.l.) Natascha, Katrin, Kira, Sabine, Verena und ich. Da ich leider beim Vorbereitungsseminar nicht teilnehmen konnte, kannte ich die Gruppe nicht. Allerdings bin ich mit der Leiterin Sabine befreundet. Wir haben uns mit 16 Jahren im Sprachurlaub kennen gelernt, doch leider ist in den letzten Jahren der Kontakt seltener geworden. Dementsprechend groß war die Freude, als wir uns nach sieben Jahren wieder am Flughafen getroffen haben. Sie war auch der Auslöser warum ich überhaupt auf die Idee kam an dem Kolping-Workcamp teilzunehmen. Gleich am Flughafen merkte ich, dass auch der Rest total nett ist und wir die kommenden Wochen gut zusammen meistern werden.

Der erste Eindruck...

Der erste Eindruck von dem St. Lawrence Parish in Uradi, welches in den kommenden Wochen mein neues zu Hause werden sollte, bekam ich nachts um 2h. Die Reise per Auto (Matatu genannt) dauerte von Nairobi aus 13h. Ensprechend müde waren wir alle. Doch schon die Einfahrt sah sehr einladend aus, Bäume in einer Allee hin zum Haupthaus. Links davon die Kirche. Und es erwischte uns tatsächlich sehr gut. Wir sechs Mädels bekamen ein eigenes Haus. Neben uns in einem weiteren Haus wohnten die zwei FSJ-lerinnen Miriam und Judith, die schon seit einem Jahr in Uradi leben. Es gab Strom, sogar Internet (wenn auch mit schlechter Verbindung) und fließendes Wasser. Duschen gabs keine, dass hieß Eimer mit Wasser füllen und schnell über den Kopf leeren.

Am nächsten Morgen sahen wir bei Tageslicht, wo es uns hinverschlagen hatte und konnten das ganze Parish samt Schwesternkloster, Health Care Center, Kindergarten, Grund- und weiterführende Schule, besichtigen.

Aufgaben

Was waren also die Aufgaben während unserer Zeit in Uradi. Der Hausherr und gleichzeitig Pfarrer der Gemeinde, Father Oscar, besprach mit uns verschiedene Möglichkeiten, wo wir uns einbringen konnten. Schlußendlich verblieben wir so, dass wir zusammen mit Jungs aus dem Dorf eine Kirche streichen. Es sollte das Projekt werden, das wir gemeinsam als Gruppe machen. Und dann konnte jeder je nach Vorlieben sich noch im Kindergarten, in den Schulen oder im Health Care Center einbringen.

 

 

Ich für meinen Teil entschied mich für den Kindergarten, Verena schloss sich mir an. Sabine und Natascha wollten in die Grundschule gehen und unsere zwei Krankenschwesterschülerinnen Kira und Katrin natürlich ins Health Care Center. Nachmittags bestand die Möglichkeit in der weiterführenden Schule Deutsch zu unterrichten. Und so starteten wir in unsere erste Woche!


Kindergarten

In den Kindergarten dürfen, so wie in Deutschland, Kinder ab 3 Jahre. Drei Kindergärtnerinnen passen auf über 80 Kinder auf. Die Gruppe ist unterteilt in die "Kleinen" zwischen drei und vier Jahren und die "Großen" ab 4 Jahren. Die Kindergartengebühren belaufen sich auf 1,50€ im Monat. Das klingt wenig, viele Eltern können es trotzdem nicht leisten alle ihre Kinder in den Kindergarten zu schicken.

Der Kindergartenalltag sieht meist so aus, dass so ab 9.30 Uhr alle Kinder in die Räume kommen. Zusammen wird dann spielerisch zählen oder das Alphabet geübt, außerdem werden viele Lieder gesungen. Um 11 Uhr gibt es Porridge (Maispampe), die die Kinder trinken. Danach darf bis um 12.30 Uhr gespielt werden, dann gibt es Mittagessen. Nach dem Mittagessen machen die meisten Kinder einen Mittagsschlaf oder spielen bis sie um 15 Uhr nach Hause laufen. Vor den Sommerferien gibt es Tests, die zum einen den Eltern sagen, wo ihr Kind gerade steht und auch darüber entscheiden, ob ein Kind schulreif ist.

Die Zeit im Kindergarten hat viel Spaß gemacht, insbesondere weil Margrete und Josephine, die zwei Kindergärtnerinnen, so unheimlich nett waren. Allerdings ist es sehr anstrengend, eine Horde von Rabauken, die ständig an einem herum ziehen, im Zaum zu halten. Wir "wazungus" (Kisuaheli für "Weiße") waren das Highlight im Kindergartenalltag und die Kleinen liebten uns und wir sie.

Streichen in Kabura

Tja und da ist noch die Kirche in Kabura. Diese wird seit 18 Jahren gebaut. Immer wenn wieder Geld da ist, geht es ein Stückchen weiter. Unsere Aufgabe war es, die Kirche zusammen mit ein paar Jungs aus dem Dorf zu streichen. Mein Herz hat keine Freudensprünge gemacht, als ich davon gehört habe. Jedoch im nachhinein war das Streichen doch ganz spannend. Meistens stand man zu zweit auf einem Tisch und hat gestrichen. Dadurch hatte man viel Zeit, über alles mögliche mit den Jungs aus dem Dorf zu quatschen. Da hier alle sehr gutes Englisch sprechen, gab es auch oft tiefgründige Gespräche über die Unterschiede zwischen Kenia und Deutschland. In den Pausen brachten uns die Jungs bei, auf afrikanische Lieder zu tanzen. Ziemlich schwierig selbst für mich, die schon viele Jahre tanzt, die Bewegungen nachzumachen.

Nach drei Wochen war die Arbeit in Kabura beendet. Im totalen Streich-Rausch beschlossen wir dann noch die Steine und das Schild "Uradi Paradise" auf dem Parish anzumalen. Zum Glück war dass nur ein Tagesprojekt.

Essen

Wichtiger Faktor: das Essen! Jeden Morgen frühstückten wir um 8 Uhr zusammen mit dem Father bevor jeder seinen Aufgaben für den Tag nachging. Es gab Toast mit Marmelade und BlueBand (Kenianische Magarine). Außerdem brachten wir jede Menge Nutella aus Deutschland mit. Mittagessen gabs um 13 Uhr und Abendessen um 20 Uhr. Unsere Köchin Madeh war ein Engel. Das Essen schmeckte einfach viel zu gut. Unsere Plautzen wurden gut genährt durch viel Kohlenhydrate und Fett. Verhungert sind wir definitv nicht.

Das wichtigste Lebensmittel im Westen Kenias ist Ugali. Ugali ist eine Mais- Masse, wie eine Art Polenta - allerdings komplett geschmacksneutral. Die Begeisterung der Kenianer für Ugali ist nicht so ganz nachvollziehbar, aber wir haben es gegessen. Außerdem gibt es viel Reis und auch Nudeln. Dazu isst man rote Bohnen, Linsen, Sukuma wiki (eine Art Spinat) oder Weißkohl. Das absolute Highlight für uns waren Chapati - eine Art Pfannkuchen ohne Ei, dafür mit viel Fett gebacken. Die Kenianer essen sie mit Bohnen - wir Deutschen aßen es zum bloßen Entsetzen der Afrikaner mit Zimt und Zucker.

Als kleines Dankeschön an die vielen netten Menschen in der Gemeinde, die uns gleich so herzlich aufgenommen haben, veranstalteten wir einen deutschen Abend. Vorab gab es Buchstabensuppe, als Hauptgang machten wir Knödel mit Jägersoße und Rotkraut oder Kaiserscharrn und als Nachtisch Vanille- und Schokopudding und Wackelpudding mit Vanillesoße. Es schmeckte allen - nur mit der Suppe wusste kein Kenianer was richtig anzufangen. Pole! (="tut mir Leid" auf Luo)

 

Abschied aus Uradi

 

Und so schnell ging die Zeit rum und schon hieß es Abschied nehmen aus Uradi. Father Oscar versicherte uns, dass wir jederzeit wieder willkommen sind im Parish und er hofft, uns eines Tages wieder zu sehen - das hoffen wir auch! Trotz der kurzen Zeit haben wir viele Leute kennen gelernt, die uns sehr ans Herz gewachsen sind. Vielen Dank für die wunderbare Zeit - Oriti Uradi!

 

Lest was wir bei der einwöchigen Reise durch Kenia alles erlebt haben auf dem nächsten Reiter "Reisewoche"

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Kommentare: 1
  • #1

    Sabine Przewolka (Donnerstag, 21 August 2014)

    Danke für deinen kleinen Vorhang auf mit afrikanischen Impressionen! Cool wie die Kenianer Euch "wazungus" die Tanzbeine verknoten haben und du im Farbenrausch auch noch das Schild "Uradi Paradise" angemalt hast. Auch die Ess-Sitten in Kenia bei "Engel" Madeh fand ich spannend und habe mir einen Ast abgelacht, weil ihr Deutschen die Pfannkuchen "Chapati" zum Entsetzen der Ureinwohner mit Zimt und Zucker gegessen habt! Und dass "Pole" tut mir leid auf Luo heißt, wusste ich auch nicht! Armer Onkel Pole! Schöne Reisegeschichte - der Apfel fällt nicht weit von deiner Tante...

Über mich
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Ich heiße Laura und bin 27 Jahre alt. Reisen gehört zu meiner großen Leidenschaft. Momentan mache ich einen Master in Marketing in München. Doch im kommenden Jahr werde ich wieder viele neue Ort kennenlernen, von denen ich Euch hier berichten möchte.