Kericho Teeplantagen

Unsere erste Station unserer einwöchigen Reise durch Kenia sollten die Teeplantagen von Kericho sein. Leider hatte der Fahrer über Nacht das Radio angelassen und die Baterie des Autos war leer. Außer den Deutschen ist keiner in Hektik ausgebrochen - wir hatten Angst um unseren Terminplan. Kein Wunder, dass eines der Worte, das wir in unserer Zeit dort häufiger gehört haben "pole-pole" war, das heißt so viel wie "nur mal langsam". Geduld, nicht gerade unsere Stärke. Nachdem wir also das Matatu angeschoben hatten, kamen wir endlich los. Allerdings nur 700m, dann fiel dem Fahrer ein, dass er sein Handy vergessen hatte. Also ging er wieder zurück: pole-pole!

Tatsächlich erreichten wir Kericho noch und die Reise hat sich gelohnt. Das tiefe Grün der Teeblätter faszinierte uns. Wir schauten uns eine Farbrik an, in der eines der wichtigsten Exportgüter Kenias produziert wird: Schwarztee. Kenia ist weltweit der drittgrößte Lieferant für Schwarztee. Die einzelnen Produktionsschritte waren sehr spannend, auch wenn mit Sicherheit eine deutsche Farbrik ganz anders aussehen würde. Der fertig fermentierte Tee kommt dann nach Mombasa und wird dort in die ganze Welt versteigert.

Danach ging es weiter nach Nakuru. Dort wollten wir übernachten, um am nächsten Tag weiter nach Naivasha zu fahren. Wir erlitten in der viert größten Stadt Kenias einen kleinen Kulturschock. Nach der doch sehr idylischen Zeit in Uradi waren wir so viele Autos, Menschen und Trubel nicht mehr gewöhnt. Die Großstadt war etwas beängstigend für uns und wir waren alle froh, dass wir hier nur zum Schlafen waren und es am nächsten Tag weiter in den Nationalpark in der Nähe von Naivasha ging.

Hell's Gate Nationalpark Naivasha

Nach der Nacht in Nakuru ging es mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter nach Naivasha. Sabine und ich gingen erstmal ohne Gepäck los, um Ausschau zu halten wo wir einsteigen müssen. Selbst zu zweit hat man Probleme, sich die ganzen Fahrer  vom Leib zu halten - unmöglich zu sechst ohne Plan dafür mit viel Gepäck durchzukommen. Gesucht - gefunden, mussten wir nur noch die Mädels holen. Nur leider war die Batterie des Kartenlesegeräts an unserer Zimmertür defekt und Sabine und ich kamen nicht mehr an unser Gepäck. Ein Handwerker musste her, der machte aber wie alle Kenianer pole-pole. Da saßen wir nun. Ändern kann man es eh nicht, langsam bekamen wir schon ein bisschen die kenianische Gelassenheit.

Mit Verspätung ging es dann weiter. In Naivasha hatten wir vorab im Carnelley's Camp reserviert. Ein sehr schön gelegenes Camp direkt am Lake Naivasha. Das allerbeste kommt noch: es gab Duschen (Wasser von oben!!!) mit heißem Wasser (herrlich!!!). Wir ahnten noch nicht, wie nötig wir die Duschen noch brauchten.

Der Platzwart bot uns an, da es schon Nachmittag war, dass wir noch eine Bootstour machen könnten, den Sonnenuntergang und Nilpferde anschauen. Da waren wir gleich alle trotz bewölktem Himmel begeistert. Nilpferde haben wir gesehen, statt des Sonnenuntergangs leider nur jede Menge Wasser von oben. Wir kamen in ein Gewitter und bis wir an Land waren, waren alle komplett durchnässt. Sabine handelte wegen der ins Wasser gefallene Tour gleich am Preis; mittlerweile sind wir Experten was das Feilschen angeht. Ohne geht einfach nicht in Kenia oder man bezahlt viel zu viel. Zurück im Camp sprangen wir unter die heiße Dusche und konnten unser Glück kaum fasse; es war sehr schwer den Wasserhahn wieder zuzudrehen.

Am nächsten Morgen begann unser Tag mit Frühsport um 6h. Wir wollten mit dem Fahrrad durch den Hell's Gate National Park radeln. 5km bis zum Eingang bergauf brachten uns alle außer Puste. Doch der Anstieg lohnte sich. Auf dem Fahrad fuhren wir an Affen, Zebras, Giraffen, Impalas und Büffeln vorbei. Der Park ist ca. 7km lang. Dann kommt eine Schlucht, durch die man mit Führer wandern kann. Ach so ein kleiner Spaziergang ist doch nett dachten wir. Wenn wir vorher gewusst hätten, was uns erwartet, wär ich bestimmt nicht mitgegangen. Ziel war "Devil's Bed". Um dorthin zu kommen, mussten wir klettern (mit Flip-Flops), springen (der Führer fing uns auf), wandern (ohne Kondition) und das alles in einer Schlucht ohne Helm. Ohne Worte. Nach zwei Stunden Adrenalin fragte uns der Führer, ob wir Kraft hätten, dann können wir uns noch "Devil's Shower" und "Devil's Kitchen" anschauen. Dort gibt es heiße Quellen, auf denen der Teufel kocht. Völlig aufgedreht von dem Erlebten willigten wir ein und so kraxelten wir irgendwann barfuss, weil die Flip-Flops nicht mehr wollten, weiter. Wir gewannen super Eindrücke und sahen eine wahnsinns Kulisse und das beste: keiner verletzte sich!

Masai Mara Nationalpark

Zum Schluss unserer Reisewoche kam das beste: eine Safari durch die Masai Mara. In Zeit von Juli/August findet die Migration statt. Die Tiere wandern von der Serengeti in Tansania über den Masai Fluss in die Masai Mara in Kenia. Oft hab ich schon in Tierdokus dieses Naturspektatkel gesehen, jetzt werden wir es live miterleben. Unsere Unterkunft lag direkt an einem der Eingänge zum Nationalpark. Wir hatten wenig erwartet, da wir nur ein Zelt gebucht hatten. Doch wir wurden in jeder Hinsicht überrascht. Die Zelte waren besten ausgestattet, außer den Tiergeräuschen nachts hätte man gar nicht gemerkt, dass man nur unter einer Zeltplane schläft. Auch das Essen war hervorragend, der Koch zauberte uns Kartoffelpüree und sogar Spaghetti Bolognese. Zum Frühstück gab es frische Pfannkuchen. Da fiel es schwer, ganz schnell zu essen, weil wir ja möglichst früh im Nationalpark sein wollten.

Wir sahen bereits bekannte Tiere wie Giraffen und Zebras. Doch das Glück war auf unserer Seite und wir bekamen auch noch viele Löwen vor die Linse, einer sogar wie er ein Gnu tötete. Selbst einen Geparden (schnellstes Tier der Welt), der gerade ein Impala verspeiste, konnten wir beobachten. Die afrikanischen Elefanten sind sehr beeindruckend durch ihre Größe und ihr Gewicht, selbst die Baby-Elefanten kommen einem groß vor.

Insgesamt waren wir alle total geplättet wie viele verschiedene Tiere und in welcher Anzahl die Masai Mara beherbergt. Insbesondere Gnus. Soweit das Auge reichte sah man überall schwarze Flecken. Besonders beeindruckend waren auch die langen Schlangen, die die Gnus aber auch die Büffel bildeten, um weiter zu wandern.

Wir fuhren zum Masai Fluss, um beobachten, wie die Tiere den Fluss überqueren. Kaum waren wir in der Nähe roch es widerlich nach Aas. Viele Tiere schafften den Weg über den Fluss nicht und starben im Wasser und verwesten vor sich hin. Leider konnten wir die Migration nicht beobachten.

Von den Big Five, die jeder sehen will, fehlten uns am Ende nur noch das Nashorn und der Leopard. Leider versteckten diese sich so gut vor uns, dass wir sie nicht zu Gesicht bekamen.

Auf Wiedersehen Afrika

Eine tolle Zeit in Kenia neigt sich jetzt entgültig dem Ende zu. Wir übernachten am Flughafen in Nairobi, da unser Check-in nachts um 2.30h beginnt. Um 5.30h startet der Flieger nach Addis Ababa/Äthiopien. Nach einem kurzen Zwischenstop geht es weiter nach Frankfurt. Langsam wird es real, dass wir tatsächlich wieder nach Deutschland fliegen. Ich hab beschlossen, nicht zu viele Tränen fließen zu lassen, da ich mit Sicherheit wieder einmal nach Afrika kommen werde.

Mental schon eingestimmt auf das große Wiedersehn mit unseren Familien, kommt nach der Landung in FFM eine Durchsage. Ich von meinem schlechten Gewissen geplagt, dass ich verbotenerweise einen Vulkanstein aus dem Nationalpark mitgehen hab lassen, war schon drauf und dran aufzustehen und mich freiwillig zu stellen. Doch es kam anders. Ein Fluggast an Bord war krank und es bestand der Verdacht auf Ebola. Hurra. Der Kranke und die umliegenden Fluggäste mussten alle zum Bluttest, der Rest durfte zum Glück nach einiger Wartezeit das Flugzeug verlassen. Mittlerweile ist der Verdacht auf Ebola ausgeräumt. Doch nochmal ein kleiner Aufreger kurz vor Ende der Reise.

Über mich
Über mich

Ich heiße Laura und bin 27 Jahre alt. Reisen gehört zu meiner großen Leidenschaft. Momentan mache ich einen Master in Marketing in München. Doch im kommenden Jahr werde ich wieder viele neue Ort kennenlernen, von denen ich Euch hier berichten möchte.